Die Badische Landesbühne

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Abendspielplan

Thomas Brasch

Mercedes

Premiere: 12. März 2020

Zwei junge Menschen treffen sich im Nirgendwo: Sakko hat seinen Job verloren und eine Abfindung bekommen. Arbeitslos, haltlos und einsam steht er an der Straße und zählt die vorbeifahrenden Autos. Um seinem Leben wieder Sinn zu geben, sieht er als einzigen Ausweg die Verpflichtung bei der Armee. Oi kann Sakkos Haltung nur schwer nachvollziehen. Für sie ist freie Zeit doppelte Zeit, arbeitslos oder Urlaub – das mache keinen Unterschied. Wenn sie etwas braucht, klaut sie es im Supermarkt oder aus der Umkleidekabine der Sauna. Und zur Not nimmt sie auch mal Geld für Sex. Sakko und Oi, so grundverschieden ihre Haltungen zu Leben und Arbeit auch sind, versuchen sich langsam anzunähern, probieren unterschiedliche Rollen, Konstellationen, Versuchsanordnungen aus, nehmen Rauschmittel und immer wieder neuen Anlauf. Medium oder Bindeglied ihrer Begegnungen ist ein Auto, das auch als Wunsch und Projektionsfläche dient: ein Mercedes. Thomas Braschs sprachgewaltiges Stück Mercedes ist eine Liebesgeschichte. Es hat, so der Autor, mit Leonce und Lena zu tun, „mit den beiden Königskindern, die sich zufällig begegnen und ineinander verlieben, ohne zu wissen, dass sie diejenigen sind, die füreinander bestimmt sind. Oder mit Romeo und Julia, denen es verboten wird, sich zu lieben.“ Wie sie können Sakko und Oi ihr Ziel nicht auf geradem Weg erreichen. So wird erst über den Umweg von Experiment und Spiel für zwei gestrandete Einzelne etwas möglich, was in der stupiden Realität nicht zustande kommt: Nähe.  


Thomas Brasch  

Der Schriftsteller und Filmemacher Thomas Brasch (1945-2001) war eine der markantesten Figuren der Neueren Deutschen Literatur. Aus seinen Texten spricht die individuelle Erfahrung eines jungen Mannes mit dem Zwangssystem seines Vaters, der ein hoher Parteifunktionär in der DDR war. Die unbedingte Sehnsucht nach Utopie, die Beschreibung sozialer Unfreiheit und Auseinandersetzung mit entfremdeter Arbeit, die „dem Mensch das Leben wegfrisst“ (Katja Lange-Müller), machen ihn zu einem Autor von bleibender Aktualität.



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