Die Badische Landesbühne

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BLB Extra

Günther Weisenborn: Bist du ein Mensch, so bist du auch verletzlich

Eine szenische Lesung zum 50. Todestag des Schriftstellers Günther Weisenborn

 

Günther Weisenborn, ein junger Schriftsteller aus dem Rheinland, wird 1928 in Berlin gefeiert. Sein Stück „U-Boot S 4“, uraufgeführt an der Volksbühne, ist ein großer Erfolg. Weisenborn zieht nach Berlin, verfasst Theaterstücke, bearbeitet gemeinsam mit Bertolt Brecht und Hanns Eisler Maxim Gorkis Roman „Die Mutter“ für die Bühne und schreibt den eigenen Roman „Barbaren“ über einen rücksichtslosen Aufstieg zu Reichtum und Macht. Mit der „Roten Revue“ beziehen Berliner Künstler, unter ihnen Weisenborn, Brecht, Hanns Eisler und Kurt Weill, deutlich Stellung gegen die immer stärker werdenden Nationalsozialisten. Das rastlose künstlerische Schaffen Weisenborns findet mit der Machtergreifung Hitlers 1933 ein jähes Ende. Sein zusammen mit Richard Huelsenbeck verfasstes Stück „Warum lacht Frau Balsam?“ wird von den Nazis von der Bühne gefegt, sein Roman „Barbaren“ verbrannt. Unter Pseudonym schreibt Weisenborn weiter. Er überlegt, zu emigrieren, doch nach einem halben Jahr in New York kehrt er nach Berlin zurück.

Günther Weisenborn schließt sich der Widerstandsgruppe um Harro Schulze-Boysen an, die von der Gestapo „Rote Kapelle“ genannt wird. Offiziell arbeitet er beim Reichsrundfunk und als Chefdramaturg an Heinrich Georges Schillertheater. 1942 wird die „Rote Kapelle“ aufgedeckt, ihre Mitglieder werden verhaftet und größtenteils hingerichtet. Weisenborn kommt ins Zuchthaus Luckau. 1945 wird er dort, nur einen Tag, bevor er auch noch hingerichtet werden soll, von der Roten Armee befreit. Zurück in Berlin gründet er das Hebbeltheater und schreibt ein Theaterstück über den Widerstand: „Die Illegalen“ zählt neben Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“ zu den meistgespielten deutschen Stücken der Nachkriegszeit. Mit seinem Erinnerungsbuch „Memorial“, in dem Fragmente aus seinem Leben in Freiheit auf Szenen aus der Widerstandsarbeit und der Haftzeit treffen, gelingt ihm 1948 ein Bestseller.

Weisenborn ist über die politischen Entwicklungen im Nachkriegsdeutschland entsetzt. Immer wieder protestiert er gegen restaurative Tendenzen und warnt vor dem Wiedererstarken des Faschismus. Seiner Meinung nach ist die Entnazifizierung Deutschlands gescheitert. Ein besonderer Rückschlag ist für ihn die Stimmung, die in den fünfziger Jahren gegen die politische Linke geschürt wird. Er spricht von einem McCarthyismus nach amerikanischem Vorbild, einer Hetze gegen alle, die politisch links stehen und damit als kommunistenfreundlich gelten. Auch Weisenborn selbst sieht sich Anfang der sechziger Jahre wiederholt solchen Diffamierungen ausgesetzt.

 

„Seine Dramen sind in den letzten Jahren von den großen Bühnen verschwunden, das muss der Genauigkeit halber angemerkt werden; seine Romane sind wie so viele Romane dieser Autorengeneration fast vergessen; seine Anmerkungen zum Theater sind aus der Praxis reduziert, keine zukunftshaltigen Entwürfe, aber in ihrem Bekenntnis zum Handwerk wohltuend sachlich. Auch wenn Weisenborns Sprache in den Augenblicken des Gelingens durchlässig wird für das erschreckende Wunder des Lebens im Angesicht des Todes, wird man ihn nicht zu den Neuerern der Literatur in diesem Jahrhundert zählen. Aber er wird als der Mann der ersten Stunde in der Erinnerung bleiben, den Emigration und Haft nicht gebrochen haben, so dass er mitten im verwüsteten Land einer zerrissenen Generation die Hoffnung auf eine mögliche gerechte Weltordnung mitzuteilen vermocht hat.“ (Ingeborg Drewitz)

 

Regisseur Carsten Ramm, Intendant der Badischen Landesbühne, hat sich auf eine Spurensuche zu Weisenborns Leben und Werk gemacht und sowohl im Archiv der Akademie der Künste in Berlin als auch im Deutschen Literaturarchiv Marbach recherchiert. Im März 2019 erscheint im Berliner Verbrecher Verlag gleichzeitig mit der Neuauflage des „Memorial“ ein von Ramm zusammengestelltes und herausgegebenes Weisenborn-Lesebuch. Aus dem Material, das er dafür zusammengetragen hat und zu dem auch bisher unveröffentlichte Texte gehören, collagiert Carsten Ramm für die Badische Landesbühne eine szenische Lesung, die den heute nahezu unbekannten Günther Weisenborn wiederentdeckt und im Kontext seiner Zeit vorstellt. Dabei werden erstaunliche und zum Teil erschreckende Parallelen zu unserer Gegenwart deutlich.

 

 

Es lesen:                                 

Evelyn Nagel                                              

René Laier

Carsten Ramm


Künstlerische Leitung:     

Carsten Ramm


Dramaturgie:                          

Tristan Benzmüller



Termine:                                 

14. März 2019, 20.00 Uhr

Berlin, Akademie der Künste (Pariser Platz)


17. März 2019, 11.00 Uhr

Bruchsal, Matineereihe Café Europa

 

25. März 2019, 19.00 Uhr

Hamburg, Freie Akademie der Künste in Hamburg



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